Neustart voraus!

„Auch aus einer negativen Erfahrung entsteht ein positiver Nutzen – man muss nur die Lehren daraus ziehen.“

Cornelius

vom Student in Politik und VWL zum Auszubildenden Fachinformatiker für Systementwicklung, Arineo GmbH

Cornelius absolvierte nach seinem Realschulabschluss das Abitur, um an der Universität Göttingen ein Studium in den Bereichen Politik und VWL aufzunehmen. Nach seinem Studienausstieg fand er einen Ausbildungsplatz zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei der Arineo GmbH. Ursprünglich kommt er nicht aus Südniedersachsen, ist hier aber mittlerweile durch Freunde und Beruf heimisch und glücklich.

Im Januar 2022 nahm er an der Studienaussteigerveranstaltung von Neustart voraus als Testimonial teil und gab uns danach noch ein Interview. Vielen Dank für die Offenheit!

Aus welchem Grund hast du als „Gesicht für den Studienausstieg“ an der Veranstaltung teilgenommen?

Die Veranstaltung ist wertfrei – und das ist wichtig! Hier werden wichtige Schritte gezeigt, die den Studienausstieg begleiten, außerdem werden die eigenen Zweifel am Studium in eine positive Richtung gelenkt, nämlich auf die berufliche Perspektive. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es besonders hilfreich ist, von Firmen Bestätigung zu erfahren. Genau das passiert in den Studienaussteigerveranstaltungen. Gleichzeitig ist es für die teilnehmenden Firmen eine geeignete Plattform, sich dieser Zielgruppe als Arbeitgeber zu präsentieren. „Meine Firma“ schätzt das große Potenzial von Studienaussteigern sehr und nimmt seit Jahren gern an der Veranstaltung teil.

Wie bist du mit dem Studienzweifel und der Entscheidung für einen Abbruch umgegangen?

Natürlich ist es schwer, ein Studium abzubrechen. Eine solche Entscheidung trifft wohl niemand leichtfertig. Während des Studiums hatte ich einige kleinere Zukunftsängste und Unsicherheiten, mit jeder nicht bestandenen Prüfung machte ich mir Gedanken über meinen Plan B. Und je länger ich studierte, desto mehr Druck lastete auf mir. Die Hochschulberatung der Fakultät unterstützte mich bei Fragen zur Zukunft und bot Hilfe zur Fortführung des Studiums. Schlussendlich wurde mir die Entscheidung für den Studienabbruch „abgenommen“, da ich im Drittversuch einer Klausur scheiterte. Nach der Zwangsexmatrikulation brauchte ich 2-3 Wochen zur Reflektion: Welche Lehren wollte ich aus dem Ausstieg ziehen und wie konnte ich an den Herausforderungen wachsen? Mir war es wichtig, mein Studium nicht als „verlorene Zeit“ sondern als wichtige Entwicklung meiner Persönlichkeit anzusehen.

Wie sah dein Werdegang danach aus?

Ein Gefühl des Scheiterns hatte ich schon – aber es ist wichtig zu wissen, warum es nicht geklappt hat, sodass man seine Lehren daraus ziehen kann. Ich bin nicht gescheitert, weil meine Kompetenzen nicht ausreichten, sondern weil sie einfach in einem anderen Bereich liegen! Ich denke, dass ich durch meine vielen studentischen Nebenjobs im Gastronomiebereich ein offenes Auftreten habe. Und deshalb bin ich auch in den Bewerbungsgesprächen mit meinem Studienabbruch offen umgegangen.

Schon früher hat mich der IT-Bereich sehr interessiert, und dieses Interesse wollte ich nun auch beruflich verfolgen. Ich habe ich mir Zeit genommen, um mich über das Berufsbild gut zu informieren und mich auf die Ausbildungsinhalte vorzubereiten. Diese Vorbereitung hat sicher geholfen, mich bei den Bewerbungen überzeugend zu präsentieren. Auf meinen Ausbildungsplatz bei Arineo habe ich dann ein Jahr gewartet – weil es genau das war, was ich wollte! Im Bewerbungsgespräch wurde natürlich auch über die Gründe meines Studienabbruchs gesprochen. Aber der Umgang mit dem Thema war verständnisvoll. Mein Potenzial stand im Vordergrund nicht mein Abbruch.

Hast du Empfehlungen für StudienzweiflerInnen?

Selbstverständlich ist Eigenverantwortung gefragt; doch in Situationen des Zweifelns ist es schön, Hilfe angeboten zu bekommen. Ich empfehle jedem, die verfügbaren Anlaufstellen anzusteuern, sobald sich Zweifel verfestigen. Meiner Meinung nach entsteht das „Problem“ bereits in der Schule: Die Erwartungshaltung der Gesellschaft ist stark akademisiert, schon im Abitur wurde damals nur über das Studium gesprochen. Eine Ausbildung, v.a. im handwerklichen Bereich, kam nicht zur Sprache – unter Umständen zu Lasten der persönlichen Interessen. Ich finde, dass hier verschiedene Alternativen aufgezeigt werden sollten und eine breite Informationsvermittlung stattfinden muss. Es wäre auch gut, wenn Studenten zu Beginn und im Verlauf des Studiums eine Information zu den Beratungsangeboten in die Hand bekämen!

Ein gutes Motto wäre: Auch aus einer negativen Erfahrung entsteht ein positiver Nutzen – man muss nur die Lehren daraus ziehen. Dann kann man auch mit einem lachenden Auge auf die Studienzeit zurückschauen. Vor allem finde ich, dass der Vergleich mit anderen Personen nicht weiterhilft. Jeder Lebensweg ist anders – und das ist auch gut so!

Cornelius' Weg

  • Politikwissenschaften und VWL an der Universität Göttingen
  • Durch eigene Recherche den „Wunschausbildungsberuf“ Fachinformatiker für Systementwicklung bei Arineo gefunden

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